Opfer, Täter, Vergangenheit

Kann ich die Verantwortung für mich und meine Handlungen übernehmen..

..wenn ich mich als Opfer verstehe? Nein, ich lehne sie sogar ab. Jemand anders hat Schuld, hat mir etwas zukommen lassen wogegen ich mich nicht verteidigen konnte oder es nicht einmal versucht habe. Meine einzige Tat liegt darin, dass ich die Schuld gerade jemand anderem zukommen lasse.

..wenn ich als Täter erscheine? Schon eher. Die Verantwortung wird mir so vollumfänglich zugesprochen, dass ich alleine die Verantwortung für eine Situation trage. Was es aber schwierig macht diese anzunehmen, weil ich genau betrachtet einer handlungsfähigen Person nichts antun kann, ohne dass sie durch Haltung oder Handlung mitbeinflussen kann was gerade passiert.

Schuld und Unschuld genauso wie Täter und Opfer existieren tatsächlich nur in der Vergangenheit. Was wir mit Schuldzuweisungen genau machen, ist also eine Projektion der Vergangenheit in die Gegenwart um unsere Macht oder unseren Einfluss wiederherzustellen. Die aktive und passive Rolle wird getauscht. Dabei ist jedoch jeder sosehr mit sich selbst beschäftigt und zugleich auf den anderen fixiert, dass der Bezug zur gemeinsamen Gegenwart und Zukunft verstummt.

Die beschriebenen Strategien bestehen nur in sozial organisierten Gesellschaften und werden durch Normen und Gesetze unterstützt. Dass soll kein Argument sein um Normen, Gesetze oder soziale Gesellschaften abzuschaffen. Eher soll deutlich gemacht werden, wie leicht wir es uns machen und wie leicht es fällt wenn wir uns mit den Rollen der Schuld und Unschuld identifizieren. Wenn wir also unsere Verantwortung ablehnen oder über unsere Grenze hinaus annehmen.

Ist diese Strategie die Bestmögliche für mich? Was für Alternativen bleiben mir?

Wenn ich in Bezug zu mir selbst und dem Gegenüber bleibe und die Situation mitbewege.. kann ich dann zum Opfer oder Täter werden?

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