Weichheit

Weichheit wird oft als etwas passives wahrgenommen.

Etwas Weiches formt sich unter Einwirkung der Umwelt um. Das heist, die Form ist plastisch, anpassbar und in ihrer Fähigkeit darauf angewiesen ein aktives Gegenstück zu haben. In dieser Beziehung steht jedes Leben das sich seiner Umwelt anpasst, aber auch Landschaften die sich durch die Kräfte des Himmels wandeln sowie die stetige Wechselwirkung zwischen Körper und Geist. Wie aber sieht dabei Weichheit aus wenn sie aktiv ist, also ebenfalls umformend wirkt? Wenn die Umformung wirkt bevor Kräfte umformen, oder Formen entstehen die nicht auf direkte Einwirkung der Umgebung schliessen lassen?

Es ist nicht mehr nur eine Umformung durch die Dinge wie sie gerade kommen. Vielmehr ändert sich die Form harmonisch in Bezug auf das Kommende. Wenn das Kommende gänzlich eintrifft, begegnet es einer Form, welche das exakte Gegenstück bildet.

Dem was kommt wird Raum gegeben. Es scheint dann mehr so, als ob sich die Dinge gefunden haben. Weichheit wird dann etwas Expansives, etwas das Raum gibt aber diesen auch einnimmt, sodass es in Verbindung mit der Umgebung tritt, ihr anhaftet und diese umgibt. Weichheit reduziert dadurch den Kraftaustausch direkt an der Oberfläche, leitet Kräfte durch Strukturen und lässt Raum für die dahinterliegenden Vorgänge und möglichen Intentionen.

Was bedeutet Weichheit für Kampfkünste?

Weichheit lehrt zwischen Absichten und deren körperlicher Ausdruck nach belieben wandeln zu können und gleichzeitig den Bezug zum Gegenüber zu halten. Es eröffnet eine Vielzahl an Möglichkeiten dem Gegenüber zu begegnen, diesem Raum zu geben ohne den eigenen Raum einzuschränken. Es zieht eine körperliche Auseinandersetzung auf eine geistige Ebene, indem sich nicht mehr herkömmliche Reflexe, sondern Intentionen aufeinander wirken. Intentionen, welche sich auf einen Selbst als auch das Gegenüber im gegenwärtigen Moment beziehen.

Für eine wirkliche Weichheit benötigt es Sensitivät, ein Gespür und Neugier für sich und das Gegenüber. Es bezieht die Absichten immer mehr auf den kurzen Moment um das Jetzt herum. Verlässt die Aufmerksamkeit diesen kurzen Zeitraum und haftet an etwas Vergangenes an oder fixiert einen Zustand in der nahenden Zukunft, so verliert sich diese Weichheit und der Bezug zum gegenüber. Mit der Weichheit geht auch die Fähigkeit verloren Kraft aufzunehmen, abzuleiten und die eigene Struktur in Bezug zum Gegenüber wirken zu lassen.

Weichheit fordert also ein Gespür und Gehör für sich und das Gegenüber. Darüber hinaus verlangt sie nach Präsenz in der Gegenwart. Den Fokus also auf dem zu lassen was uns belangt ohne von Vergangenem, Zukünftigem oder Möglichem abgelenkt zu werden. Für Kampfkünste aber auch das tägliche Leben schafft dies einige Herausforderungen und ein nie endendes Potential zum lernen.